Eine Analogie des modernen Wesens hat Goethe den Protagonisten der Fausttragödie genannt, an der er, mit vielen Unterbrechungen, beinahe lebenslang geschrieben hat. Dasselbe Drama, das der junge Goethe noch während der Ära des Rokoko und der Adelsherrschaft konzipiert hat und das in den Eingangsszenen einen Gelehrten im Ambiente der Renaissance zeigt, vollendet Goethe im 82. Lebensjahr unter dem Eindruck der Pariser Julirevolution von 1830. Nun ist Faust auf einer großen Damm- und Kanalbaustelle zu sehen, auf der bereits die Dampfmaschinen in Betrieb sind. Der Vortrag folgt Fausts Weg durch die Epochen der europäischen Geschichte. Dabei gewinnt im historischen Hintergrund der Tragödie jene große Transformation deutliche Konturen, die die Welt des alten Europas trennt vom modernen Industriezeitalter und noch die Gegenwart von uns Heutigen prägt.