Sonntag, 25. Oktober 2026 um 11:30 Uhr
Dr. Bernhard Lauer (Brüder Grimm-Gesellschaft Kassel):

Gerhardt von Reutern - Ein europäisches Künstlerleben
Goethe, Willingshausen und der russische Zarenhof

Sonntag, 25. Oktober 2026

Ort: Salon arte & poética.
Brabanter Str. 14
34131 Kassel

Zeit: ab 11:00 Uhr (offizieller Beginn: 11:30 Uhr)

Dr. Bernhard Lauer
(Brüder Grimm-Gesellschaft Kassel) 
Der Eintritt ist frei

Dr. Bernhard Lauer, hier mit seinem Buch "Der Gestiefelte Kater in Dichtung und Kunst" (2022). © Sternbald Verlag, Hartwig Bambey.
Dr. Bernhard Lauer, hier mit seinem Buch "Der Gestiefelte Kater in Dichtung und Kunst" (2022). © Sternbald Verlag, Hartwig Bambey.
Eine von 200 Abbildungen in der Neuauflage. © Bernd Lindenthal
Eine von 200 Abbildungen in der Neuauflage. © Bernd Lindenthal

Gerhardt von Reutern – Ein europäisches Künstlerleben

Goethe, Willingshausen und der russische Zarenhof

Gerhardt von Reuterns Weg zur Kunst begann unter außergewöhnlichen Umständen. Der 1794 auf dem Gut Rösthof in Livland geborene Reutern verlor 1813, erst neunzehnjährig, in der Völkerschlacht bei Leipzig seinen rechten Arm. Schon während seiner Genesung begann er, sich das Zeichnen mit der linken Hand selbst beizubringen. Als er im Sommer 1814 in Weimar Goethe begegnete, erkannte dieser sein künstlerisches Talent und ermutigte ihn, weiter mit der linken Hand zu zeichnen. In den folgenden Jahren trafen beide mehrfach wieder zusammen und blieben auch brieflich miteinander in Verbindung.

Eine wichtige Station seines weiteren Lebens wurde das hessische Willingshausen. Bei den Schwiegereltern seines Bruders Karl fand Reutern dort Erholung und lernte den Offizier und späteren preußischen Diplomaten Joseph Maria v. Radowitz kennen, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. 1820 heiratete er in Willingshausen Charlotte v. Schwertzell. Unterstützt von den Malern Gabriel Lory und Ludwig Emil Grimm legte er seit 1825 den Grundstein für die Freiluftmalerei in Deutschland. In Reuterns Biographie verbinden sich die Begegnungen mit Goethe und die Anfänge seiner künstlerischen Laufbahn eng mit Willingshausen, Kassel und Ludwig Emil Grimm.

Reuterns Lebensweg führte ihn in einen weit gespannten Kreis von Künstlern, Dichtern und bedeutenden Persönlichkeiten der deutschen und europäischen Gesellschaft. Durch seine Bekanntschaft mit dem russischen Dichter Vasilij Žukovskij wurde er später zum Maler der Zarenfamilie ernannt und erhielt eine feste Leibrente. Seine Werke sandte er meist nach St. Petersburg, wo sie sich heute vor allem in der Eremitage und im Russischen Museum befinden.

Nach weiteren Studien in Kassel, einem längeren Aufenthalt in seiner livländischen Heimat sowie Reisen in die Schweiz und nach Italien ging Reutern 1835 an die Düsseldorfer Kunstakademie. 1844 ließ er sich in Frankfurt am Main nieder, wo er bis zu seinem Tod 1865 lebte. Den Weg in die Kunst fand er vor allem durch das intensive „Studium der Natur“. In Willingshausen und Kassel entstanden neben Pflanzen- und Tierdarstellungen zahlreiche Porträts und Szenen des hessischen Landlebens. Später wandte er sich der Historien- und Religionsmalerei zu. Sein 1849 vollendetes Hauptwerk ist „Die Opferung Isaaks“.

2026 hat Dr. Bernhard Lauer das 1894 von Reuterns Kindern verfasste Lebensbild neu ediert und durch eine ausführliche Einführung, kritische Kommentare und rund 200 Abbildungen für heutige Leserinnen und Leser erschlossen.

Gerhardt v. Reutern – Ein Lebensbild
Neu hrsg. von Bernhard Lauer
Kassel: BGG, 2026 · 320 S. · 49,80 €
ISBN 978-3-940614-54-4

(Biographie des Künstlers Gerhardt von Reutern aus dem Jahr 1894, neu editiert)

Bernhardt Lauer (Hg.): Gerhardt v. Reutern - Ein Lebensbild (2026).

Dr. Bernhard Lauer studierte Slawische und Romanische Philologie in Marburg, Gießen, Moskau, Belgrad und Bukarest und wurde mit einer Arbeit über den russischen Symbolisten Fedor Sologub promoviert. Seit 1989 ist er Geschäftsführer der Brüder Grimm-Gesellschaft in Kassel; von 1989 bis 2014 leitete er zudem das Brüder Grimm-Museum. Als Autor und Herausgeber zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen und Editionen sowie als Kurator internationaler Ausstellungen beschäftigt er sich seit Jahrzehnten mit Leben, Werk und Wirkung der Brüder Grimm und der hessischen Kulturgeschichte.

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