Goethe-Gesellschaft Kassel e.V.

16. Mai 2024: Prof. Dr. Lucia Ruprecht

Lucia Ruprecht (FU Berlin)

Donnerstag, 16. Mai 2024

Ort: Palais Bellevue, Schöne Aussicht 2, 34117 Kassel

Zeit: 19:00 Uhr

Referent: Prof. Dr. Lucia Ruprecht, FU Berlin
Institut für Theaterwissenschaft,
Seminar für Tanzwissenschaft

Thema: Werthers Walzer Tanz als kulturelle Codierung von Liebe und Intimität

Eine Kooperation mit dem Literaturhaus Kassel.

Der Eintritt ist frei.

Prof. Dr. Lucia Ruprecht: Werthers Walzer Tanz als kulturelle Codierung von Liebe und Intimität

Im Jahr 2024 jährt sich die Erstveröffentlichung von Goethes Werther zum 250. Mal. Dabei erweist sich die Faszinationskraft des Romans als ungebrochen.

Prof. Dr. Lucia Ruprecht vom Institut für Theaterwissenschaft der FU Berlin, Seminar für Tanzwissenschaft, wird ‚Werthers Walzer‘, mithin die berühmte Tanzszene aus dem Brief vom 16. Junius, ins Zentrum ihrer Überlegungen stellen.

Das Miteinander-Drehen ersetzt im Walzer das sich Umeinander-Herumdrehen anderer Gesellschaftstänze. Dabei vollzieht sich die Abschottung des Paares in einem Kokon der Zweisamkeit zwar in einem sozialen Raum, lässt diesen allerdings in der Wahrnehmung der Tanzenden vollständig zurücktreten – „daß alles rings umher verging“ (MA 2.2, S. 367), wie Werther es ausdrückt. Von Beginn stand der Walzer – als „Alliierter der Schwindsucht und des Todes“ (Journal des Luxus und der Moden, 1809) –, nicht zuletzt aufgrund der Nähe der beiden Tanzpartner, in einem suspekten Licht.

Lucia Ruprechts Argumentation geht jedoch weit über eine Geschichte des Gesellschaftstanzes bzw. eine anhand des Werther-Romans entwickelte Lesart des Walzers als eines neuen ‚Liebescodes‘ hinaus. In ihrer ebenso sorgfältigen wie produktiven Argumentation wird sie dicht am Text den Nachweis führen, dass der gemeinsame Walzer Werthers und Lottes nachgerade den frühen, in den weiteren gemeinsamen Monaten nicht wieder eingeholten Höhepunkt ihrer Beziehung darstellt.

Dabei gewinnt die Tanzpassage ihre Suggestivkraft und konzeptionelle Bedeutung für den Roman letztlich nicht aus dem Verweis auf eine mögliche sexuelle Vereinigung. Es ist ein durchaus anders gerichtetes Begehren, dass Werthers Walzer zugrunde liegt. Lucia Ruprechts Lesart lässt zwischen zentralen Wortfeldern (Metaphern, Metonymien) und dem Schluss des Romans überraschende Bezüge sichtbar werden.

Seien Sie auf einen spannenden Abend im Palais Bellevue gefasst!

Tony Johannot: Die Leiden des jungen Werther (1845)

(zur französischen "Werther"-Übersetzung von Pierre Leroux,
mit einem Vorwort von George Sand, 1845 )

Palais Bellevue
Foto: A. Savin, WikiCommons
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